Multikulturelle Kommunikation

Überzeugungsarbeit vor einem multikulturellem Hintergrund

 

Ein ungeschriebenes Gesetz des menschlichen Sozialsystems ist das Gesetz der Reziprozität. D.h., wenn ich einem Menschen einen Gefallen erweise, fühlt sich dieser automatisch verpflichtet, sich zu revanchieren.

Auf dieser Basis funktioniert jedes System in dem Menschen miteinander zusammenleben, egal ob es der Arbeitsplatz, die Familie oder ein Verein ist. Jemand der also nur nimmt und nichts zurück gibt wird sehr schnell sozial isoliert sein.

Dass dieses Gesetz aber in unterschiedlichen Kulturen mitunter sehr unterschiedlich ausgelegt wird, haben Michael Morris, Joel Podolny, and Sheira Ariel herausgefunden.

Sie untersuchten verschiedene Gruppen von Mitarbeitern der Citibank, eines der grössten Finanzunternehmen auf dieser Welt, in den Filialen unterschiedlicher Länder, den Vereinigten Staaten, Deutschland, Spanien und China(Hong Kong). Sie versuchten heraus zu finden, welche moralischen Werte einen ergänzenden Einfluss auf das Gesetz der Reziprozität ausüben.

Dazu beobachteten sie, die Bereitschaft einzelner Mitarbeiter wie sie auf den Wunsch eines Kollegen reagierten, der sie um Mithilfe bei einer Aufgabe bat.

Obwohl sich alle beobachteten Mitarbeiter in ähnlichen Situationen befanden, waren die Einflussfaktoren auf ihre Entscheidung doch sehr unterschiedlich.

Angestellte in den USA beispielsweise kamen der unmittelbaren Reziprozität (Wiedergutmachung) am nächsten. Sie fragten sich: "Was hat diese Person bereits vorher für mich getan?" Schuldeten sie dem Kollegen oder der Kollegin noch einen Gefallen, fühlten sie sich besonders stark genötigt der Anfrage nachzukommen.

Deutsche Angestellte fühlten sich verpflichtet der Anfrage nachzukommen, wenn sie sich innerhalb der Regeln der Organisation erfüllen liesse. Sie fragten: "Bin ich nach den geltenden Regeln und Werten der Firma verpflichtet dem Kollegen zu helfen?"

Spanische Citibank-Angestellte begründeten ihre Entscheidungen meistens mit Regeln über Treue und Freundschaft, unabhängig von der Position und dem Status des Bittstellers.

Sie fragten sich: "Hat der Bittende eine Beziehung zu einem Freund?"

Chinesische Angestellte reagierten primär gegenüber Vorgesetzten mit einer ausgeprägten Loyalität gegenüber höheren Autoritäten in ihrer kleinen Gruppe. Sie fragten sich: "Hat der Nachfragende Kontakte zu einem Kollegen aus meiner Gruppe, vielleicht sogar zu einem Ranghöherem?"

 

Für wen sind diese Erkenntnisse wichtig?

Für jeden Menschen, der mit Menschen aus einem anderen Kulturkreis in einem engen sozialen Umfeld zusammenlebt oder zusammenarbeitet.

Wenn Sie als Vorgesetzter oder Kollege beispielsweise mit einem Spanier zusammen arbeiten, zahlt es sich aus, ein freundschaftliches Verhältnis zu ihm aufzubauen.

Andrerseits achten Amerikaner darauf, was Sie im vorher an Gefälligkeiten erwiesen haben.

Chinesen reagieren eher mit der Aussicht auf Lob vor einem Vorgesetzten.

Deutschen muss man Regeln vorgeben und sie später daran erinnern. 

 

Den Originalartikel finden Sie auf der Website von Robert Cialdini, der das sehr empfehlenswerte Buch geschrieben hat: Die Psychologie des Überzeugens. Wenn Sie das Buch bestellen möchten, klicken Sie hier.

 

Der Link zum Original-Artikel: http://www.insideinfluence.com/year07/05/article.htm

 

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